Projektbeschreibung

Unser Ziel

ist die Aufführung von Werken jüdischer Komponisten, die während der Nazizeit vertrieben, ermordet oder verfemt wurden. Es gibt ein reichhaltiges, attraktives Konzertrepertoire, seit nunmehr 7 Jahrzehnten in Deutschen Konzertsälen kaum gespielt, welches wir wiederbeleben möchten. Diese Kompositionen werden, wie wir meinen, dem Konzertpublikum viel Freude bereiten und gleichzeitig einen Beitrag zur Versöhnung und zum kulturellen Verständnis leisten.

Die Komponisten haben wir in drei Kategorien aufgeteilt:

  • Komponisten, denen die Flucht aus Europa gelang,
  • Komponisten, die von den Nazis ermordet wurden,
  • Komponisten früherer Zeit, deren Werke von den Nazis mit Aufführungsverbot belegt wurden bzw. verfemt wurden.

Bei jedem unserer Konzerte

kommen Werke aus mindestens zwei, wenn möglich allen drei der Kategorien zur Aufführung. Einen Roten Faden bilden die Streichersinfonien von Mendelssohn, die erstaunlicherweise gerade in Sachsen kaum zu hören sind. Bei unserem Gründungskonzert am 11. November 2007 spielten wir die Sinfonia in F, Nr. 11; zum Festakt anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Staatsgründung Israels war es die Sinfonia in g, Nr. 12. Im Laufe der kommenden Konzerte möchten wir sämtliche Sinfonias präsentieren.

Grußwort von Dr. Claus Dieter Heinze, Vorstandsmitglied des Fördervereins (Auszug)

Anlässlich des Eröffnungskonzertes der Konzertreihe am 08.06.2008 in der Neuen Synagoge Dresden.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gäste des Eröffnungskonzerts.

(…)

Unser Verein wurde 1.November 2007 gegründet. Das erste Konzert, das Gründungskonzert, fand am 11.November 2007 statt. Am 4. und 5. Mai 2008 war das Orchester in die Feierlichkeiten zum 60.Jahrestag der Gründung des Staates Israel eingebunden. Nun steht also das 4. und morgen in Leipzig, im Mendessohn-Haus, das 5 Konzert an.

Ich begrüße unter den Anwesenden den Sächsischen Staatsminister für Justiz, Herrn Mackenroth, den Rektor der Hochschule für Musik, Carl-Maria-von-Weber Dresden, Herrn Professor Gies, den Vizepräsidenten des Sächsischen Kultursenats, Herrn Dr. Ohlau, den Leiter der Musikabteilung an der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek, Herrn Dr. Geck und den OB-Kandidaten der Partei Die Linke, Herrn Sühl. Ich begrüße die Damen und Herren des Landtags und der Stadt Dresden sowie die Vertreter der Medien.

Ich begrüße Frau Aris von der Jüdischen Gemeinde in Chemnitz und Herrn Pfarrer Reimann, Vorsitzender des Vorstandes des vormaligen Fördervereins Bau der Synagoge Dresden (…).

(…)

Und besonders herzlich begrüße ich die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde zu Dresden und danke bei dieser Gelegenheit der Jüdischen Gemeinde zu Dresden für die logistische Unterstützung.

Wir werden in wenigen Augenblicken Musikstücke von Komponisten jüdischer Herkunft, unter der Leitung von Michael Hurshell, Mitglied des Vorstandes der Neuen Jüdischen Kammerphilharmonie, hören, die in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts der nationalsozialistischen, antisemitischen Kulturpolitik zum Opfer fielen, entweder flohen, emigrierten, ermordet oder verfemt wurden.

(…)

Wir können heute nur spekulieren, welche musikalischen Schöpfungen von den verfemten Komponisten, die von den großen Komponisten ihrer Zeit beeinflusst wurden, zu erwarten gewesen wären, wenn ihr Lebensweg nicht auf so tragische Weise geendet hätte oder sie der europäischen Wurzeln beraubt worden wären.

Weitere Konzerte werden Ende September (28. und 29.9.) zum Jüdischen Neujahrsfest, im Mittelpunkt Erich Wolfgang Korngold, und im November

(9. und 10.11.), dem 7.Jahrestag der Weihe der Neuen Synagoge und dem 70.Jahrestag der Reichspogromnacht, im Mittelpunkt Ernest Bloch, folgen.

(…)

Heute wird uns ein Stück europäischer Musikgeschichte durch die Mitglieder der Neuen Jüdischen Kammerphilharmonie, denen ich sehr herzlich für ihr Engagement danke, dargebracht, und damit, und das ist das Ziel des Vorstandes der Neuen Jüdischen Kammerphilharmonie Dresden, werden die Werke von Komponisten jüdischer Herkunft vor dem endgültigen Vergessen bewahrt.

Es ist an dieser Stelle auch dem musikalischen Leiter und Mitglied des Vorstandes, Herrn Michael Hurshell zu danken, dass es im Oktober letzten Jahres in kurzer Zeit gelang, 23 Musikerinnen und Musiker für unser Anliegen zu gewinnen.

Wir werden die Arbeit an dieser musikalischen Erinnerungskultur fortsetzen, um den verfemten Komponisten dauerhaft Gehör zu verschaffen.

Wir sind sehr dankbar, dass die bisherigen drei Konzerte, auch das von heute in Dresden und morgen in Leipzig, durch großzügige Spenden aus dem In- und Ausland, durch einen Zuschuss der Stadt und des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Sachsen, möglich wurden.

Wir sind aber auf weitere Spenden, die Hilfe von Sponsoren, weitere dauerhafte finanzielle Zuschüsse der Stadt und eine dauerhafte finanzielle Unterstützung durch den Freistaat, angewiesen. Gespräche mit den Verantwortlichen der Stadt und dem Freistaat haben stattgefunden und werden fortgesetzt, um die Finanzierung dieses kulturpolitisch wichtigen Vorhabens mittelfristig zu sichern.