Pavel Haas

wurde im Juni 1899 in Brünn geboren, und begann mit 14 Jahren seine formellen Musikstudien. Diese wurden durch seinen Militärdienst bei der Armee Österreich-Ungarns ab 1917 unterbrochen. 1920 wurde er Meisterschüler von Leos Janácek, der einen entscheidenden Einfluss auf seinen musikalischen Stil ausübte. Die Verwendung von mährischen Melodien sind ein Merkmal dieses Einflusses.

Haas’ Persönlichkeit wurde als „eine Mischung aus Witz, feiner Ironie, Tiefsinn und Eleganz“ beschrieben; diese Eigenschaften wurden tragischerweise durch die Inhaftierung im KZ Theresienstadt für immer verdunkelt. Schon 1938 durch die Folgen des Münchner Abkommens aus dem Berufsleben gedrängt, wurde sein Leben 1939 durch die Tschechische Übernahme der Nürnberger Gesetze endgültig verändert; er ließ sich von seiner nicht jüdischen Frau scheiden, um sie und seinen Sohn vor dem Zugriff der Nazis zu schützen.

Bereits in den 30er Jahren hatte Haas große Erfolge gefeiert: seine Oper Der Scharlatan, die Klavier Suite und eine Reihe von Liedern deuteten, nach den frühen Erfolgen der 20er Jahre, auf eine internationale Karriere. Er war auf der Höhe seiner Schaffenskraft, als er 1941 nach Theresienstadt deportiert wurde. Dort war er zunächst von einer tiefen Depression ergriffen, während der ihm jeglicher Wille zum Komponieren verlorenging. Die Zuwendung, die er durch den ebenfalls inhaftierten Komponisten Gideon Klein erfuhr, bestärkte ihn jedoch so, dass er eine Reihe von Kompositionen im Lager fertigstellte. Von diesen acht Werken sind leider nur drei erhalten: die Vier Lieder nach Chinesischer Poesie, das Hebräische Al Sefod (Trauere nicht) für Männerchor, und die Studie für Streicher, wohl das bekannteste.

Der große tschechische Dirigent Karel Ancerl, dessen Geburtstag sich im April zum 100. Male gejährt hat, war ebenfalls in Theresienstadt. Er hatte Haas um ein Werk für sein Lagerorchester gebeten. Der üble propagandistische Missbrauch für den Film „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ war ebenso zynisch wie irreführend; der monatelangen „Verschönerung“ des Lagers anlässlich des Besuches durch das Dänische Rote Kreuz folgte nach wenigen Wochen die Deportation der meisten Musiker, die mit tausenden anderen Theresienstädter Opfern in Auschwitz ermordet wurden, wie auch Haas selbst. Karel Ancerl überlebte den Holocaust, und fand nach dem Krieg die Orchesterstimmen der Studie im Lager. Die Partitur hatte Haas nach Auschwitz mitgenommen, und ist verloren.