Franz Schreker

Franz Schreker wurde 1878 in Monaco geboren. Sein Vater Ignaz (eigentlich Isaac) Schreker war Hof-Fotograph, seine Mutter stammte aus einer katholischen Familie. Als der Vater 1888 starb, zog die verarmte Familie nach Wien, wo Schreker bald Geld verdienen musste; so übernahm er mit 14 Jahren ein Organistenamt in Döbling. Die muskalischen Studien wurden von Fürstin Alexandrine von Windischgrätz unterstützt, so dass er zunächst Violine, später Komposition am Wiener Konservatorium abschloss. Sein Lehrer, Robert Fuchs, hatte schon Gustav Mahler und Hugo Wolf unterrichtet.

Schreker, der nach 1945 fast vollkommen vergessen war, zählte in den 20er Jahren zu den bekanntesten Komponisten; auf dem Gebiet der lebenden Opernschöpfer rangierte einzig Richard Strauss vor ihm. Der ferne Klang (1912), Die Gezeichneten (1918), Der Schatzgräber (1920) und Das Spielwerk (1920) waren mit großem Erfolg aufgeführt worden. Nachdem er schon 1912 zum Kompositionslehrer an der Musikakademie in Wien avanciert war, wurde er 1920 zum Direktor der Berliner Musikhochschule berufen; doch bereits vor Hitlers Machtergreifung wurde er schon 1932 in Folge immer stärker werdender antisemitischer Strömungen gezwungen, von diesem Amt zurückzutreten. Als er dann 1933 noch aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen wurde und sein dortiges Amt als Kompositionslehrer verlor, war seine Gesundheit auf Dauer angeschlagen. Im Dezember des Jahres erlitt er einen Schlaganfall, an dessen Folgen er im März 1934, kurz vor seinem 56. Geburtstag, in Berlin verstarb.

Das Scherzo für Streichorchester entstand 1900, als der Komponist seine ersten öffentlichen Aufführungen erlebte. Es ist noch im Zeichen seiner Liebe zu Brahms entstanden, was den formellen Aufbau betrifft; aber harmonisch ist seine Wagner-Verehrung ebenso hörbar wie der Drang nach noch üppigeren Klängen, die dann in seinen frühen Opern das Publikum so begeisterten. Er wurde als der legitime Nachfolger von Wagner angesehen, was er selbst so kommentierte:

„...meine Musik erwächst aus der Dichtung, meine Dichtung aus der Musik, ich bin ein Antipode Pfitzners, der einzige Nachfolger Wagners, ein Konkurrent von Strauss und Puccini, schmeichle dem Publikum, schreibe nur, um alle Leute zu ärgern und trug mich kürzlich tatsächlich mit dem Gedanken, nach – Peru auszuwandern.“

(Musikblätter des Anbruch, Universal Edition 1921)