Erich Zeisl

wurde 1905 in Wien geboren. Gegen den Wunsch der Eltern begann er mit 14 Jahren, an der Musikakademie zu studieren; nach zwei Jahren erschienen bereits seine ersten Lieder. Ab den 20er Jahren produzierte er Kompositionen in den verschiedensten Genres; seine Oper „Leonce und Lena“ (nach Büchner) war bereits für Aufführungen in Prag und Wien vorgesehen, als ihn, wie viele seiner jüdischen Kollegen, das Schicksal des Anschlusses ereilte, der jegliche berufliche Tätigkeit beendete und sein Leben bedrohte. Im November 1938 floh er mit seiner Frau nach Paris, wo ihm Darius Milhaud ein Visum verschafft hatte, dass ihnen erlaubte dort zu bleiben bis sie 1939 nach Amerika reisen konnten. Bis 1942 blieben sie in New York, als durch die Vermittlung von Hans Eisler ein Vertragsangebot aus Hollywood eintraf, bei MGM zu arbeiten. In Los Angeles gab es viele alte Bekannte, aber die Filmstudios waren mit europäischen Komponisten gut besetzt; Zeisl hatte es schwer, und bekam meist nur „Dronenaufträge,“ also die Aufgabe einzelne Szenen zu vertonen, ohne dafür in den Credits aufzuscheinen. Es war Strawinski, der Zeisl für eine Professur am Los Angeles City College empfahl, wo Zeisl bis zu seinem überraschenden, frühen Tod arbeitete.

Zeisl schrieb in seiner frühen Schaffensperiode eine große Anzahl von Liedern, und sah sich selbst in der Tradition des deutschen Kunstlieds von Schubert und Wolf. Die besondere Verbundenheit mit seiner österreichischen Heimat, so betont seine Tochter Barbara in ihren Memoiren, ist möglicherweise ein Grund dafür, dass er nach der Flucht aus der Heimat nie mehr ein Lied verfasste.

Er war schon als junger Komponist in Österreich erfolgreich genug, um im Rundfunk gespielt zu werden, wo sein Streichquartett Nr. 1 im Jahre 1934 übertragen wurde. Der Verlag Universal Edition beauftragte ihn, einzelne Sätze daraus für Streichorchester zu bearbeiten; schließlich wählte Zeisl drei Sätze aus, von denen der erste, das Scherzo, und der dritte, die Fuge, von UE auch verlegt wurden; aber UE entschied sich gegen die Drucklegung des mittleren Satzes, Variationen über ein Slowakisches Volkslied.

Erich Zeisl starb 53-jährig in Kalifornien. Die vor wenigen Jahren einsetzende Wiederbelebung seiner Werke soll auch diesseits des Atlantiks das Publikum erfreuen.